Episode X: Schweden, Kalmar und Öland

Voll schön hier in Schweden

B. Cordes, 2012

25. August: Noch ein kleiner Spaziergang durch den Stockholmer Djurgården, Auto abgeholt und auf die Autobahn nach Süden bis Kalmar. Dort über die in diesem Jahr 50 Jahre alte Ölandbron (Brücke nach Öland) ins Hotel. Die Hotelkosten gehen übrigens in die Höhe, je kurzfristiger man bucht. Nix Last-Minute! Also heute ein überhitztes, lautes, direkt über der Küche liegendes Zimmer für geschenkte 1.700 Schwedenkronen (ich sage jetzt extra nicht, wieviel das in Euro ist). Vorteil dieses Zimmers: man kann ab 7 Uhr morgens dem Bagger an der Baustelle gegenüber bei der Arbeit zusehen. Schade, dass morgen Wochenende ist.

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26. August: Das Wetter ist heute morgen bedeckt, also fahren wir nach Kalmar. Und jetzt kommt das, was viele von Euch bestimmt schon in der Stockholm-Episode befürchtet haben: ein kleiner Ausflug in die schwedische Geschichte.

Kalmar ist in ganz Nordeuropa bekannt wegen der Kalmarer Union, die zwischen Dänemark, Norwegen und Schweden im Jahre 1397 im Kalmarer Schloss vereinbart wurde. Dieser Vertrag hat immerhin etwa 150 Jahre lang halbwegs für Frieden gesorgt. Das Schloss selbst stammt aus dem späten 12. Jahrhundert und gilt als das besterhaltene Renaissance-Schloss Nordeuropas. Es wurde nie im Krieg besiegt, zerfiel aber im 17. Jahrhundert langsam und wurde erst im 20. Jahrhundert richtig schön restauriert. Zwei Persönlichkeiten aus der schwedischen Geschichte möchte ich an dieser Stelle erwähnen:

Zunächst Gustav I. Wasa (1496-1560). Er ist hier wirklich sehr berühmt und gilt als der Begründer des großen und mächtigen Königreichs der Schweden, insbesondere weil er die dänischen Herrscher aus Schweden rausgeworfen hat. Er wohnte eine zeitlang im Kalmarer Schloss.

Der zweite ist Gustav II. Adolf (1594 – 1632). Ihn erwähne ich, weil sein Einfluss bis in die heutige Zeit auch nach Deutschland reicht. Er führte Schweden in den Dreißigjährigen Krieg und mischte dort ordentlich mit, indem er mit seinen Jungs kreuz und quer durch Deutschland ritt und gegen Katholiken kämpfte. Das war ebenso grausam, wie das Vorgehen des katholischen Kaisers, denn vor allem hat die Bevölkerung der Dörfer, die von den verschiedenen Truppen geplündert wurden, entsetzlich gelitten. Wikipedia sieht Karl II. Gustav so:

Sein […] Eingreifen in den Dreißigjährigen Krieg in Deutschland verhinderte einen Sieg des kaiserlich-katholischen Lagers der Habsburger und sicherte damit auch die Existenz des deutschen Protestantismus.

Quelle: Wikipedia

Es gibt noch eine Verbindung zwischen den beiden Gustavs: Zwei-Adolf ließ das größte Kriegsschiff seiner Zeit bauen und benannte es nach Eins-Wasa. Bei ihrer Jungfernfahrt aus dem Hafen von Stockholm sank die Galeone ohne einen einzigen Schuss abgegeben zu haben. Sie war völlig fehlkonstruiert worden. Heute sind die Reste im Wasamuseum in Stockholm zu besichtigen.

PS: Gustav II. Adolf hat den Dreißigjährigen Krieg übrigens nicht überlebt; er fiel auf dem Schlachtfeld in Lützen / Sachsen im Jahr 1632.

Der Schlosspark wurde 1985 zum schönsten Park Schwedens gekürt. Das ist zwar schon relativ lange her, aber der kleine Park ist immer noch außergewöhnlich vielfältig und hübsch. Einzelne Vertreter der mykologischen Gruppe der Fungi offenbaren geheimnisvolle Lebewesen.

Kalmar ist darüber hinaus ein nettes Städtchen mit knapp 40.000 Einwohnern und jeder Menge Cafés.

Heute abend wollen wir den berühmten Öland-Sonnenuntergang beobachten. Wir kaufen uns ein Picknick im Supermarkt und fahren zum Köpingsklint und an den Strand. Besser geht’s nicht.

27. August: Heute sind wir zu Ölands Södra Udden, der Südspitze Ölands, gefahren. Dort haben wir eine wunderschöne Wanderung gemacht. Die Landschaft ist geprägt durch den Wind, der hier ständig weht. Das gesamte Areal ist ein großes Vogelschutzgebiet. Auf dem Weg sind uns viele Tiere begegnet unter anderem Rehe und Hirsche, oder waren das sogar kleine Elche? Leider waren die zu schnell weg, bevor wir sie fotografieren konnten.

Auf dem Rückweg haben wir die Burg Ekestorp besucht. Die ist jetzt mal richtig alt: sie stammt aus der Eisenzeit um 300 n. Chr. und wurde bis ins Mittelalter im 12. Jahrhundert genutzt. Frage an die freundlichen Museumspädagogen vor Ort: waren das die Wikinger? Nein, aber ihre direkten Vorfahren, so lernen wir. Die Wikinger gingen 400 Jahre später auf Raubtour zu Wasser; das steckt bereits in ihrem Namen. Die Menschen zu dieser Zeit hatten die Burg vor allem als Selbstschutz benutzt, in einer Gemeinschaft von ursprünglich etwa 20 Familien. Diese Burg ist, wie schon so oft in Schweden gesehen, aufwändig renoviert und mit vielen Erklärungen und Personal ausgestattet. Sie bieten auch viel für Kinder an; Spiele, kleine Workshops, Bogenschießen und vieles mehr.

So, das war Öland in Kürze. Wen das Thema noch weiter interessiert, dem darf ich einen Buch-Tipp geben: Selma Lagerlöf: Nils Holgerssons wunderbare Reise durch Schweden, unbedingt in der Übersetzung von Thomas Steinfeld, erschienen 2015 in der „Anderen Bibliothek“. Keineswegs nur ein Kinderbuch!

Morgen geht es weiter. Wir haben entschieden, in Lolland / Dänemark den nächsten Stopp einzulegen. Mehr davon in Kürze…

Zum ersten Artikel dieses Blogs: https://projekt912.cordes-netzwerk.de/baltic-grand-tour-2022/

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